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Geschichte der Königsstadt


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Kurz vor dem vernichtenden Schlag der Burmesen gegen das siamesische Reich von Ayutthaya im Jahr 1767 war dem General Phya Tak Sin mit seiner Gefolgschaft die Flucht gelungen. In Chantaburi stellte er eine neue Armee auf und konnte die Burmesen bereits sieben Monate später wieder verjagen. Er zog nicht wieder in das zerstörte Ayutthaya ein, sondern gründete eine neue Hauptstadt 50 Km südlich, wo die Franzosen ihre ersten Festungsanlagen zurückgelassen hatten. Der Ort nannte sich 'Dorf der wilden Olivenhaine': Bangkok. Von hier aus hatte man über den breiten Chao Phraya auch schnellen Zugang zum Meer, was für den Seehandel immer wichtiger wurde. Zunächst wählte man die sumpfige Westseite (Thonburi), und Taksin ernannte sich dort zum König. Seinen Generälen gelang es, das zerstörte Land schnell wieder zu einen und die Macht zu festigen. Ein Feldzug gegen Vientiane und Luang Prabang brachte 1779 den als heilig verehrten Jade-Buddha (Smaragd-Buddha) als Raubbeute nach Bangkok, wo ihm zu Ehren ein neuer großer Tempel, der Wat Phra Kheo erbaut wurde. Mit ihm erfolgte der Umzug auf die Ostseite des Chao Phraya.


Zuerst wurden Landungsplätze am Fluss geschaffen, von denen aus Materialien und Ware auf breiten Trassen aufs Land verschifft werden konnten. Elefanten übernahmen diese Arbeit und schufen die Basis für einige der heutigen großen Straßen wie z.B. die Thanon Sakorn oder die Thanon Silom.
Das ganze zumeist sumpfige Gebiet war durchzogen von Kanälen, den Klongs, die den Transport von kleinen Waren und Lebensmitteln auch per Boot ermöglichten.


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König Taksin hatte sich inzwischen zum Despoten entwickelt und sich als erleuchtet erklärt. Ein Aufstand gegen seine Machenschaften im Jahre 1782 bedeutete dann sein Ende. Am 6. April 1782 wurde der siegreiche General Chao Phya Chakri zum neuen König und zum Begründer einer neuen Königsdynasti ernannt.


Chakri war ein Mann der Traditionen. Er benannte sich um in König Ramathibodi, lies Tempelanlagen und Befestigungen im alten Ayutthaya-Stil errichten und gab der neuen Stadt den bedeutsamen Namen Krung Thep Phra Maha Nakorn Amorn Nattanakosin (Stadt der Engel und Sitz des Smaragd-Buddhas). Die Thais nennen sie Krung Thep.


Vornehmliche Aufgabe von Rama I. war die Sicherung der Außengrenzen und die Bewahrung der Tratitionen und der siamesischen Kultur. Erneute Angriffe der Burmesen konnten durch verfeinerte Kriegstaktiken abgewehrt werden. Als Burma schließlich in die Kriege gegen die Briten verstrickt und das Königreich der Burmesen in der Folge ausgelöscht wurde, hatte Siam ein großes Problem weniger. Nicht zuletzt dieser Umstand, keine unmittelbaren aggressiven Nachbarn mehr zu besitzen (Luang Prabang und Vientiane waren zerstört worden, Angkor war lange verlassen und dem Dschungel überlassen, und die Europäer hatten sich zwischenzeitlich in Indonesien, Malaya, Vietnam und Burma festgesetzt), ermöglichte den Rama-Königen Siams die Konzentration auf Kultur, Kunst, Handel und Religion. Zu Beginn des 19. Jhts. entstanden etliche der bekannten Tempelanlagen des Landes (Wat Arun, Wat Sakhet, Wat Pho). Das Jahrhundert der Rama-Könige II bis V stand unter dem Motto der Modernisierung und der Öffnung. Bereits Rama II. nahm wieder Kontakt auf zu den Europäern. Ausländer, ja sogar Missionare wurden ins Land geholt, Gesandte nach Europa geschickt, um zu studieren. Den Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne schaffte Rama IV. Er ist bekannt als König Mongkut und aus dem Film 'Anna und der König'. Nachdem er 27 Jahre als Mönch gelebt hatte, beschäftigte er sich nicht nur mit Naturwissenschaften und Astronomie, sondern lernte Englisch und Latein. Für seine Kinder lies er eine englische Lehrerin (Anna Leonowens) an den Königshof holen. Er stärkte den Handel mit den Europäern und China und erkannte die Vorteile des Miteinanders anstatt des feindseligen Gegeneinanders.


Rama V (König Chulalongkorn) wurde nach dem plötzlichen Tod seines Vaters bereits mit 15 Jahren König. Und so war es wohl auch dem Umstand zu verdanken, dass er noch unter dem Einfluß seiner Lehrerin stand, dass er mit einer geradezu revolutionären Umgestaltung des Landes begann. Er schaffte Sitten am Hofe ab, die die Untertanen z.B. zwangen, vor dem König auf die Knie zu fallen. Die Leibeigenschaft und der Frondienst mussten seinem Willen weichen, und er begann mit dem Bau von Schulen, Krankenhäusern, der Eisenbahn und dem Post- und Telegrafendienst. Er holte sich ausländische Berater ins Land und lies seine Kinder in Europa studieren.


Seine 42 Jahre lange Amtszeit fiel in die Zeit, in der Siam zwischen die Weltmachtinteressen der Briten und der Franzosen geriet. Um 1860 waren die Briten in Burma zur Kolonialmacht avanciert, und die Franzosen hatten Vietnam und das östliche Kambodscha besetzt. Die wohl größte politische Tat des Chulalongkorn besteht ohne Zweifel in dem Geschick, Siam unabhängig zu halten und sich zwischen Briten und Franzosen zu positionieren. Der vertretbare Preis, den er für die Erhaltung von Frieden und Freiheit zahlen musste, bestand in der Abtretung von Landgebieten im Osten an Frankreich (Westkambodscha und Teile Laos) sowie im Süden an England (Nordmalaya). Weil Chulalongkorn sich auch für das Wohl der Landbevölkerung stark machte, und so auch die Bauern zu bescheidenem Wohlstand kamen, ist Rama V. seither der über alles geliebte große König.


Die Regentschaftszeit Ramas VI. (König Vajiravudh) dauerte von 1910 bis 1925. Als in Oxford studierter König führte er weitere westliche Sitten und Errungenschaften ins Siamesische Reich ein, was ihm allerdings nicht nur Ruhm einbrachte. Noch vor dem ersten Weltkrieg führte er die Schulpflicht für alle Kinder ein, verordnete die Vergabe von Nachnahmen, die bis dahin unbekannt waren, und ermutigte Frauen mit Nachdruck zum Tragen langer Haare und Röcke. Außerdem entwarf er die seiner Meinung nach modernere Flagge mit den drei Farben blau (König), weiß (Religion) und rot (Volk) im Austausch mit der roten Fahne, die einen weißen Elefanten abbildet.


Da Vajiravudh ein Freund der schönen Künste und des gesellschaftlichen Feierns war, rissen seine diesbezüglichen Staatsausgaben tiefe Löcher in den Haushalt, während seine Regierungsgeschäfte nicht sehr effektiv liefen. Daher ist sein Name nicht ohne Makel in der Geschichte Siams.


Sein Bruder Prajadhipok übernahm das Königsamt 1925. Er war ein sparsamer Monarch, der das Land finanziell wieder konsolidieren wollte. Auch er hatte in England studiert, und auch er bekannte öffentlich, dass er die demokratischen Prozesse in Europa gutheiße, aber sein Land für noch nicht reif für die Selbstbestimmung durch das Volk halte. Rama VII. war erst 7 Jahre an der Macht, als es in Folge der Weltwirtschaftskrise, die Siam hart traf, zu Protesten und dann zum Staatsstreich durch die Volkspartei kam. Prajadhipok akzeptierte, auch um zu verhindern, Blut zu vergießen, und besiegelte so das Ende der absoluten Monarchie. Er blieb König bis 1935, als er abdankte und in einer Rede, die er in England hielt, die Macht an das Volk übergab. Ein neuer König war jedoch schon ernannt. Er studierte als Schüler in der Schweiz: Ananda Mahidol.


In der Folge war Siam von großer Instabilität geprägt, Machtkämpfe und Unruhen zerrissen das Land. Die diktatorische Regierung, deren führende Mitglieder in Europa studiert hatten, ordnete die totale Verwestlichung an, selbst das tradtitionelle Kauen von Betelnüssen wurde verboten, der Name Siam wurde 1939 in Thailand umbenannt.


Als die Japaner 1941 in Bangkok einmarschierten, kapitulierte die Regierung, um keine weiteren Menschenleben zu gefährden und das Land zu schützen. Die Kooperation mit den Besatzern führte sogar zur Entscheidung, den Alliierten den Krieg zu erklären. Die Überbringer weigerten sich jedoch, dies zu tun, im Gegenteil kam es zu Sabottageakten gegen die Japaner. Mit Kriegsende wurde das Kollaborationsregime jedoch abgesetzt und König Mahidol kehrte nach Thailand zurück. Als er wenig später erschossen aufgefunden wurde, konnte sein jüngerer Bruder Bhumibol Adulyadej zum Monarchen ernannt werden. Er studierte jedoch zunächst in der Schweiz, bevor er 1951 sein Amt voll antrat.


In der Zwischenzeit übernahm das Militär mit Offizieren, die in Thailand ausgebildet worden waren, und der Verwestlichung kritisch gegenüber standen, die Macht und behielten sie bis in die 70er Jahre. Bereits Anfang der 60er Jahre wurden die Weichen für den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes gestellt. Ausländische Investoren (v.a aus Taiwan, Japan und den USA) durch billige Arbeitskräfte und steuerliche Vergünstigungen angelockt und der natürliche und kulturelle Schatz des Landes für den Tourismus erschlossen.


Der gemeinsame Kampf gegen den Kommunismus bescherte den USA im Vietnamkrieg einen Bündnispartner in Thailand, der fünf Stützpunkte bereitstellte und im Gegenzug großzügige Unterstützung beim Ausbau der Infrastruktur des Landes erhielt. Gleichzeitig kam es jedoch zu Massendemonstrationen und Studentenunruhen gegen das Militärregime, die 1973 blutig niedergeschlagen wurden. Die Folge war das Ende der Regierung und eine dreijährige sehr instabile und unsichere Demokratiephase. Erneute Studentenunruhen wurden wieder mit Ermordungen beendet, und das Militär übernahm erneut die Macht, bis 1988 eine erneute kurze demokratische Phase eintrat, die 1991 durch den nächsten Militärputsch abgelöst wurde. Das Auf und Ab zwischen Demokratie und Militärdiktatur zeichnet die aktuelle Monarchie unter König Bhumibol und Königin Sirikit seit mehr als 60 Jahren aus. Der letzte Putsch war 2006. Einzig das Königspaar steht für Stabilität und Kontinuität, ist konsequent dem Wohl des Volkes, der Tradition und der Religion verpflichtet und wird entsprechend verehrt und geliebt. Alle politischen Entwicklungen werden vom König entscheidend gestützt, und manche sagen, er sei noch immer der eigentliche Machthaber in Thailand.


Im Oktober 2016 verstarb König Bhumibol nach langer Krankheit. Er war der am längsten noch im Amt befindliche Monarch. Sein Sohn Maha Vajiralongkorn übernahm 2017 die Thronfolge, doch ist bislang unklar, wie es mit der Monarchie und der Demokratie in Thailand weitergehen wird. Von der Militärregierung zugesagte freie Wahlen haben bislang nicht stattgefunden, und der neue, 64-jährige König hält sich lieber in Bayern auf, als das Königsamt so wie sein verehrter Vater weiter zu führen.




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